Die Paul Grüninger Stiftung setzt mit ihrer diesjährigen Preisvergabe ein Zeichen gegen die Kriminalisierung der Fluchthilfe und zeichnet die Crew-Mitglieder des Rettungsschiffes Iuventa mit dem Paul Grüninger Preis in Höhe von 50 000 Franken aus.

 


Laudatio zur Preisverleihung von Wolfgang Kaleck
Statement der iuventa10


 

 

Auf dem Mittelmeer ereignet sich seit Jahren eine entsetzliche Katastrophe. Schon etliche zehntausend Menschen sind auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen. Statt Hilfe zu leisten, verstärken die europäischen Staaten die Grenzabwehr immer mehr. Ins Visier geraten dabei auch Einzelpersonen und Organisationen, die Ertrinkende aus dem Wasser holen und ihnen das Leben retten. Für ihre Taten werden die Helferinnen und Helfer zunehmend kriminalisiert: in ganz Europa, auch in der Schweiz.

Gegen diese unmenschlichen Zustände will die Paul Grüninger Stiftung ein Zeichen setzen. Sie vergibt ihren mit 50 000 Franken dotierten Paul Grüninger Preis an die Crew des deutschen Rettungsschiffes Iuventa. Anerkennungspreise in der Höhe von je 10 000 Franken erhalten die Schweizer Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz sowie die griechische Hilfsorganisation Mosaik.

Die Crew des Rettungsschiffes Iuventa rettete seit 2016 mehr als 14 000 Menschen aus der Seenot im Mittelmeer. Die jungen Crew-Mitglieder wirkten damit dem humanitären Versagen der europäischen Politik entgegen. Sie gaben auch anderen Menschen in Europa den Mut, nicht in der Ohnmacht zu verharren. Im August 2017 wurde das Rettungsschiff von der italienischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Gegen zehn Mitglieder laufen nun Ermittlungen. Sie sollen wegen «Beihilfe zur illegalen Einwanderung» angeklagt werden. Die Crew weist alle staatsanwaltlichen Vorwürfe zurück: Sie habe sich stets an internationales Seerecht gehalten. Mit dem Paul Grüninger Preis soll nun auch ein substanzieller Beitrag an die Verteidigung der Retterinnen und Retter von Iuventa geleistet werden.

Anni Lanz ist vor Gericht gestellt worden, weil sie einem Flüchtling in Gondo über die Schweizer Grenze geholfen hat. Die Schweizer Behörden hatten den Mann zuvor nach Italien ausgeschafft, obwohl er psychisch beeinträchtigt war. Das Bezirksgericht Brig hat Anni Lanz, die sich seit vielen Jahren für Flüchtlinge einsetzt, zu einer Busse verurteilt. Sie will gegen das Urteil rekurrieren.

Das Mosaik Support Center auf der griechischen Insel Lesbos leistet konkrete Unterstützung für die Menschen im Alltag. Zur Hilfe gehören Bildungsmöglichkeiten, Rechtsberatung und psychosoziale Beratung. Die Angebote von Mosaik richten sich gleichzeitig an auf Lesbos gestrandete Flüchtlinge wie an Einheimische.
Der Paul Grüninger Preis wird alle drei Jahre an Personen oder Organisationen vergeben, die sich durch besondere Menschlichkeit und besonderen Mut im Sinne Paul Grüningers auszeichnen. Der St.Galler Polizeikommandant bewahrte in der Zeit des Nationalsozialismus viele hundert, vielleicht mehrere tausend jüdische Flüchtlinge vor Verfolgung und Vernichtung, indem er sie ohne Bewilligung der eidgenössischen Behörden in die Schweiz einreisen liess. Für diese Taten wurde Paul Grüninger entlassen, gerichtlich verurteilt und viele Jahrzehnte lang verfemt. Er starb 1971 als armer Mann. Erst 1995 hat das St. Galler Bezirksgericht sein Urteil von 1940 aufgehoben und ihn umfassend rehabilitiert.

Mit der Auszeichnung der Iuventa-Crew, von Anni Lanz und Mosaik möchte die Paul Grüninger Stiftung alle Retterinnen und Fluchthelfer ermutigen, ihre unerlässliche Arbeit fortzusetzen und dem Zynismus der europäischen Abschottung zu trotzen. Wenn Menschen in Not sind, ist nicht die Hilfe kriminell, sondern die Passivität.

aktuelles, Pressemitteilungen Leben retten statt die Helfenden kriminalisieren – Paul Grüninger Preis für ein Rettungsschiff